#2 Licht und Schatten in der Führung: Komplexitätsreduktion
Unsere Welt wird zunehmend komplexer. Das ist anstrengend für unser Gehirn, denn es verbraucht im bewussten, denkenden Zustand sehr viel Energie. Deshalb ist unser Verstand pausenlos damit beschäftigt, Ordnung in diese Vielfalt zu bringen. Dies geschieht durch Musterbildung. Dieses Bild zeigt dies anschaulich:

Wir alle sehen einen Würfel, obwohl dieser gar nicht gezeichnet, sondern nur angedeutet ist. Diesen Ordnungsprozess nennt man Selbstorganisation und ist eine sinnvolle Form der Komplexitätsreduktion.
Was hat das nun mit Führung und menschlichem Verhalten zu tun?
- Wir bewerten Situationen nach unseren bisherigen Mustern und haben Annahmen, obwohl diese gar nicht da sind (siehe Würfel).
- „Wenn Du so und so reagierst, meinst Du das“–Aussagen, bringen uns nicht weiter, weil wir sie nach unseren eigenen Mustern bewerten.
- Wir sehen oder vermuten Dinge, weil wir sie aus anderen oder ähnlichen Zusammenhängen kennen. Diese müssen für diese Situation nicht zutreffen.
- Wenn wir unser Wissen erweitern oder Muster unterbrechen möchten, brauchen wir neue, weitere, andere Erfahrungen.
- Andere zu neuen Erfahrungen zu bringen, kann u. a. durch gute Fragen funktionieren (Coaching-Fragen als Horizont-Erweiterung).
- Das Gehirn braucht Kohärenz (Stimmigkeit) und sucht dafür Lösungen. Findet es diese nicht, fällt es zurück in alte Muster.
Reflexionsfrage:
- Welche „Muster“ haben Sie?
- Welche Mitarbeitenden/Menschen sind in Ihren „Schubladen“?
PS: Wissenschaftler*innen der Charité in Berlin haben übrigens ein neues Organisationsprinzip des Gehirns – das Komplexom – entdeckt.
Reiz-Reaktionsmuster unterbrechen
Der Mensch ist die meiste Zeit in seinem Leben im Autopiloten-Modus unterwegs. Alles, was wir tagtäglich tun, geschieht überwiegend aus dem Unterbewussten heraus. Doch wir müssen nicht immer sofort handeln. Wenn wir unser Reiz-Reaktionsmuster unterbrechen, haben wir die Chance anders und in vielen Fällen klüger zu reagieren.
Wie dies funktioniert, beschreibe ich unter anderem in einem Blogbeitrag zur Resilienz im Kapitel Achtsamkeit.





Bild von Free-Photos auf Pixabay 

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