Selbstmanagement in Pandemie-Zeiten

Kürzlich sprach ich mit einer Coaching-Klientin. Sie war unzufrieden mit ihrer Arbeitsleistung und haderte mit sich. Sie „könne ihre Aufgaben konsequenter erledigen, mehr am Ball bleiben …“. Als ich sie daraufhin fragte, ob sie möglicherweise im „Corona Blues“ feststecke, fiel bei ihr der Groschen. Plötzlich hatte „das Kind“ einen Namen. Ab diesem Zeitpunkt veränderte sich ihre Haltung. Sie wurde aus ihrer Ohnmacht herausgerissen. Sie war nun in der Lage für sich zu entscheiden, ob sie weiterhin in dieser Situation verharren will oder ob sie ihr Leben in die Hand nimmt. Ihrem Alltag fehlte Struktur, Abgrenzung und Belohnung.

Daraufhin haben wir einige Optionen erarbeitet, wie sie zufriedener durch die Corona-Pandemie und ihre Homeoffice-Tage kommt. Diese Ideen möchte ich mit Euch teilen, denn bei vielen hat sich eine gewisse Homeoffice-Müdigkeit breit gemacht. Nicht wenige gehen vom Bett ins Bad, schnappen sich dann einen Kaffee und setzen sich mit ihrem Frühstück an den PC. Bei vielen ist der Arbeitstag durch die Doppelbelastung Homeoffice und Homeschooling geprägt. Oft entfallen wegen andauernder Online-Konferenzen die Mittagspausen. Abends führt der Weg vom Schreibtisch zur Couch und wir sind noch keine 1000 Schritte gegangen. Die Bilanz: Zoom-Fatique, fehlende soziale Kontakte, ein paar Kilos zu viel auf der Waage und schlechte Laune – die Grenzen zwischen Freizeit und Beruf verwischen.

Das kannst Du ändern, in dem Du alle oder zumindest einige dieser Vorschläge in Deinen Alltag integrierst.

Starte mit einer Morgenroutine

  • Stelle Dir den Wecker und stehe möglichst immer zur gleichen Zeit auf. Dadurch sorgst Du für eine Routine und verhandelst nicht täglich mit Dir, wie oft Du die Snooze-Taste drückst.
  • Kleide und style Dich im Homeoffice wie für das Büro. Das ist Wertschätzung für Dich selbst und eine klare Trennung von Freizeit (Jogging-Hose) und Arbeit (Business-Look).
  • Decke den Frühstückstisch und tanke gesunde Energie. Mache nicht mehrere Dinge gleichzeitig (Essen und Arbeiten), sondern trenne diese Schritte.
  • Gehe vor „Bürobeginn“ 20 – 30 Minuten spazieren. Du wirst merken, dass Du Dich frischer fühlst, wenn Du vor der Arbeit den Kopf gelüftet und Deinen Körper bewegt hast.

Dran bleiben

  • Wer sich gerne unterbrechen lässt, kann die Pomodoro-Methode ausprobieren. Der Begründer hat diese Methode für konzentriertes Arbeiten entwickelt: Stelle Dir einen Timer und arbeite 25 Minuten konzentriert an Deinen Aufgaben. Mache anschließend 5 Minuten Pause. Nach jeweils 4 Blöcken solltest Du 20 – 30 Minuten Pause einlegen. Du wirst merken, wie viel Du in dieser Zeit schaffst. Übrigens, die Methode heißt Pomodoro, weil der Begründer der Methode, ein Italiener, mit einer Küchenuhr in Form einer Tomate gearbeitet hat. Heute erledigen das moderne Timer.

Plane eine großzügige Mittagspause ein

  • Im Homeoffice müssen wir für unser Mittagessen selbst sorgen. Plane deshalb für das Kochen und Essen ausreichend Zeit ein. Sonst läufst Du Gefahr in ganztägiges Snacking zu verfallen oder am Abend übermäßig viel zu essen.

Drücke den „Off-Knopf“ und sorge für Bewegung

  • Spreche mit Deinem/r Vorgesetzten und Kolleg*innen, wann Du „Off-Zeiten“ brauchst. Das kann ein Zeitfenster von 1 – 1,5 Std. in der Mittagszeit sein, z. B. für das Mittagessen, eine Runde durch den Park und/oder ein Power Nap. Alles, was Dir gut tut und Deine Arbeitsfähigkeit erhält, solltest Du regelmäßig einplanen. Das mag bei manchen anfangs Mut erfordern, für die eigenen Bedürfnisse einzustehen. Es lohnt sich jedoch.
  • Wir alle bewegen uns im Homeoffice zu wenig. Der Mensch sollte 10.000 Schritte am Tag gehen. Plane täglich mehrere kurze oder einen längeren Spaziergang ein oder drehe eine Runde mit dem Rad. Alles, was Dich in Bewegung bringt, ist gut für Deinen Körper und Geist.

Neue Arbeitsmethoden

  • Führe Deine Telefongespräche am Stück, gerne auch bei einem Spaziergang. Das mag anfangs ungewohnt sein, es unterstützt Dich jedoch dabei, täglich auf die 10.000 Schritte zu kommen.

Den Arbeitstag beenden

  • Räume Deinen Arbeitsplatz auf und/oder am besten weg. Wenn Dein Küchentisch seit der Corona-Pandemie zum Homeoffice und Homeschooling-Ort geworden ist, solltest Du nach Arbeit und Schule alle Geräte und Unterlagen jeweils in Kisten packen und aus dem Sichtfeld räumen. Abends gehört die Küche wieder Dir und der Familie. Diese klare Trennung hilft beim Entspannen.

Belohne Dich

  • Ja, klar, … Kino, Essengehen, Freunde treffen … alles ist in dieser Form derzeit nicht oder nur eingeschränkt möglich. Dennoch kannst Du einiges tun. Finde kleine Dinge, die Du Dir gönnst und plane diese aktiv in Deinen Alltag ein. Psychologisch gesehen, holst Du Dich damit nämlich aus der Opferrolle heraus („ich kann im Moment eh nichts machen“) und wirst wieder zum Gestaltenden Deines Lebens („am Mittwoch treffe ich mich zum Spaziergang mit einer Freundin, am Freitag bestelle ich mir etwas Leckeres beim Italiener, am Samstag baue ich ein Regal und ab Montag lerne ich dank Youtube-Tutorials Gitarre…“).

Bleibt gesund!

6 Kommentare
  1. Justine Hüther sagte:

    Danke für den Beitrag und die sehr guten Tipps. Ich glaube, ich werde heute gleich damit anfangen meinen Laptop und Schreibutensilien nach der Arbeit wegzupacken, das habe ich bisher nie gemacht, weil man ja am nächsten Morgen weiterarbeitet.
    Aber eigentlich finde ich es auch wichtig, den Esstisch am Abend auch für andere Sachen benutzen zu können:-) Danke für den Anstoß

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  2. Wolfram sagte:

    Hi Sabine,
    wunderbare Tipps und das telefonierende Spazierengehen ist mein Liebling – funktioniert am Besten wenn das Gegenüber auch gerade spazieren geht. Von daher: eine 3er-Telko im gemeinsamen Spaziergang mit Projektkolleg:innen ist erst recht fein!
    Von unterwegs
    Wolfram

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  3. Thomas Eberhard sagte:

    Hallo Sabine, ich mache seit 1997 Homeoffice und will mal meinen Senf dazu geben:

    Wichtig ist, sich körperlich und kleidungsmäßig nicht gehen zu lassen. Auch wenn einem beim Zähneputzen eine super Idee kommt, nicht im Schlafanzug und mit Zahnbürste vor den PC setzten. Aufschreiben, oder sonst wie merken, klar machen fürs Heimbüro und erst dann arbeiten.

    Für Konferenzen die Kamera aktivieren. Zwingt zum Umziehen / Waschen/ Kämmen / Rasieren

    Feste Arbeits- und Pausenzeiten. Nicht erst Mittags aufstehen und dann bis in die Puppen.

    Wenn möglich einen festen, ergonomischen Arbeitsplatz schaffen. Vernünftiger Stuhl, vernünftiges Licht, große Bildschirme, gutes Video / Audio. Mit dem Laptop auf der Couch kannst Du vielleicht parshipen, aber nicht arbeiten. Da kann man auch den (ausgeschalteten) Laptop stehen lassen.

    Homeoffice ist auch Freiheit. Die Freiheit, nachmittags bei schönen Wetter zu Radeln und abends oder bei regen zu Arbeiten. Wichtig ist, daß die Leistung stimmt. Kein schlechtes Gewissen haben, wenn man das nutzt.

    Und irgendwann ist die Misere vorbei.

    Viele Grüße

    Thomas

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    • Sabine Gilliar sagte:

      Hallo Thomas, Du hast so Recht. Und weißt Du, was ich noch am Homeoffice schätze? Ich habe seitdem endlich genug Schlaf, weil das sehr frühe Aufstehen entfällt, um dem Pendlerstau zu entgehen. Viele Grüße Sabine

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