Gönne Dir mehr Fokuszeit!

„Mit der elektrischen Zahnbürste in der einen Hand, mit der anderen noch schnell die Spülmaschine ausräumen“, „während des Meetings die eigenen Mails bearbeiten“ oder „mit der Whatsapp-Gruppe das Wochenende planen, während gerade ein Konzept unsere volle Aufmerksamkeit fordert“. Was die einen als Effizienz beschreiben, nenne ich „das eigene Hamsterrad“ befeuern.

In letzter Zeit taucht immer öfter der Begriff „Fokuszeit“ und/oder „Re-Fokussierung“ auf. Gemeint ist damit die Konzentration auf Wesentliches und Wichtiges für mehr Erfolg, Gesundheit und Lebensfreude. Denn: Wenn Du den Fokus auf allen Dingen und das möglichst gleichzeitig hast, wirst Du nicht effizienter, sondern erschöpfter.

Das zeigen auch aktuelle Ergebnisse aus der Hirnforschung. Unser Gehirn ist nicht multitasking-fähig. Wenn wir zwischen einzelnen Aufgaben hin und her wechseln, werden unterschiedliche neuronale Netze angesprochen. Das kostet Energie und Zeit. Der Wechsel ist in etwa so, als wenn Du in einem Haus jedes Mal in ein anderes Zimmer wechselst.

Sind wir Multikastik-fähig?

Diesen kleinen Test habe ich im Buch „Leben mit Hirn“ im Buch* von Sebastian Purps-Padigol gefunden. Bitte spreche mit leiser Stimme die folgenden Zahlen so schnell wie möglich: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8. Und nun wiederum mit leiser Stimme schnell diese Buchstaben: A, B, C, D, E, F, G , H. Jetzt die dritte und letzte Aufgabe. Lese leise und so schnell wie möglich diese Reihe vor: A1, B2, C3, D4, E5, F6, G7, H8.

Du wirst feststellen, dass Du die letzte Reihe nicht so schnell nachsprechen kannst wie die ersten beiden. Das liegt daran, dass Zahlen und Buchstaben in unterschiedlichen neuronalen Netzen im Gehirn verarbeitet werden. Dies ist ein kleiner, einfacher Test. Dessen Auswirkungen harmlos sind. Stelle Dir vor, was passieren kann, wenn Du Auto fährst und gleichzeitig telefonierst.

Neben den eigentlichen Aufgaben locken viele Ablenkungen. So sieht der Alltag vieler Menschen heute aus. Unser Blick ist nicht auf eine Sache gerichtet, sondern wie kleine Streulichter lenken uns viele Dinge von unseren eigentlichen Aufgaben ab. Am Ende des Tages waren wir zwar durchgehend beschäftigt, jedoch haben wir oftmals nicht die wirklich wichtigen Dinge erledigt.

Eine wesentliche Fähigkeit der Zukunft wird sein, sich konzentrieren zu können. 

Tipps für konzentriertes Arbeiten

Nr. 1: Jeder am PC arbeitende Mensch hat durchschnittlich 8 – 10 Fenster geöffnet. Schließe alle nicht (mehr benötigten) Dateien und Anwendungen, bevor Du etwas Neues beginnst.

Nr. 2: Sorge für Ordnung und Übersichtlichkeit auf Deinem Schreibtisch. Räume alles nicht Benötigte weg.

Nr. 3: Schalte alle Benachrichtigungen und Hinweise auf neue E-Mails, Nachrichten etc. (Töne, Banner, Vibrationsalarm, Zähler etc.) aus.

Nr. 4: Stelle Dein Smartphone auf Flugmodus. Alle Kommunikations-Schnittstellen des Geräts deaktiviert – die weiteren Funktionen bleiben aktiv.

Nr. 5: Richte Dir Fokuszeiten ein, um ungestört zu arbeiten. Möglich ist dies über Deinen Outlook-Kalender. Du wirst dann nicht von Nachrichten oder z. B. Teams-Mitteilungen unterbrochen. Auch in Deinem Smartphone kannst Du Fokuszeiten einrichten und einstellen, wenn Dich bestimmte Personen dennoch erreichen sollen. Wie das funktioniert, habe ich Dir hier verlinkt (IOS und Android).

Nr. 6: Wer gestresst ist, kann sich schlechter konzentrieren. Schon eine 1-Minuten-Atemübung kann Dir helfen, Dich besser zu konzentrieren. Jedes Smartphone hat eine Stoppuhr/Timer-Funktion. Stelle Deinen Timer auf eine Minute, schließe Deine Augen und konzentriere Dich nur auf Deinen Atem. Nehme alles Ablenkende wahr, ohne dieses zu bewerten. Lass es an Dir vorbeiziehen.

Nr. 7: Viele Menschen haben verlernt, sich zu konzentrieren. Die Pomodoro-Methode kann Dir dabei helfen, wieder mehr Fokus zu erlangen. Stelle Dir Deinen Timer und arbeite am Stück 25 Minuten an einer Aufgabe. Mache danach eine Pause von 5 Minuten, indem Du Dich bewegst oder bewusst aus dem Fenster schaust, um die Augen zu entspannen. Der Erfinder der Methode, der Italiener Francesco Cirillo, empfiehlt vier Durchgänge (4 x 25 + 5 Minuten) und dann eine längere Pause von mindestens 30 Minuten.

Nr. 8: Mache „echte“ Pausen, denn sie füllen deinen Energiespeicher wieder auf. Jeder Leistungssportler plant in seinem Trainingsplan Pausen ein, um zu regenerieren. Im Arbeitsleben vergessen wir dies häufig. Der Leistungserhalt bzw. die Steigerung kommt nur durch regelmäßige Pausen. Wer permanent Vollgas fährt, verschleißt sich auf Dauer.

Komplexe Aufgaben brauchen unsere volle Aufmerksamkeit.

Wer abgelenkt ist, braucht mehr Energie, um eine Sache abzuschließen oder läuft Gefahr, durch mangelnde Konzentration sich und anderen zu schaden.

Das Zugunglück von Bad Aibling vor ein paar Jahren zeigte auf sehr traurige Weise, was passiert, wenn verantwortliche Personen abgelenkt sind. Vor dem Zugunglück spielte der Fahrdienstleiter ein Computerspiel am Handy.

Welcher Tipp ist für Dich der passende? Hast Du weitere Empfehlungen? Schreibe sie gerne in die Kommentarzeile.

Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Umsetzen der Tipps!

 

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*2021 Buch „Leben mit Hirn“, Sebastian Purps-Pardigol, Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main

PS: Vielen Dank für die Fotos von mohamed_hassan von pixabay.com

 

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